Erling Nielsen über Stefan Wewerka

 

Erling Nielsen

Stefan Wewerka

 

Ich habe Stefan Wewerka zum ersten Mal bei der Möbelmesse in Köln getroffen. Ich glaube, es war in 1984.

Er saß auf einem seiner Cella und hat auf die Besprechung gewartet, die ich TECTA gebeten hatte zwischen uns zu arrangieren.

Ein paar Jahre früher hatte ich seinen Tisch M1 und seinen Stuhl B1 gesehen und mußte eine Erklärung haben. Ein so geordnetes und harmonisches Chaos konnte nicht nur designt sein, bloß um zu designen. Es mußten tiefer gehende Gedanken hinter diesem anscheinenden Mangel an Mathematik liegen. Nach einer kurzen Vorstellung und einem Exit, der einem Tati würdig war , haben wir unsere Besprechung in seinem Atelier fortgesetzt. Hier hat er mir seine Art, ein Möbel zu denken, erklärt - den »demokratischen« Tisch.

Seitdem habe ich viel Zeit damit verbracht, mich darüber zu wundern, daß dieses ganz natürliche und einleuchtende Design, hiermit einbezogen die Denkweise, das Ungewöhnliche repräsentiert.

Stefan Wewerka möchte uns mit seinen schiefen, abgehackten Winkel Tische schenken, die den Benutzer in einen freundlichen, natürlichen Winkel zueinander bringen. Winkel, die denen ähneln, in welche wir uns selbst bringen würden, wenn wir uns miteinander auf einem flachen Acker unterhalten.

Einen Tisch zu denken, davon ausgehend, nicht an einem Tisch zu sitzen, war auf jeden Fall neu für mich.

Seitdem habe ich gelernt, daß genau diese Denkweise für Stefan Wewerka kennzeichnend ist. Er nähert sich Lösungen aus ganz anderen Richtungen als normalerweise in diesem Beruf. Das sieht man außer bei seinen Möbeln auch in seiner Kleiderkollektion, in seinen Einrichtungen, in seinen Bauwerken und in seinem Humor.

Es ist ein großes Erlebnis, mit Einzelgängern wie Stefan Wewerka zu arbeiten. Das verrückt Grenzen und läßt einen darüber nachdenken, was man als das einzig Richtige und Normale geglaubt hat.

Erling Nielsen

 

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