Notizen zum Theman "Umbau alter Städte" (1960)

Nachdem die erste Neubauwelle in Europa allerlei misslungene Versuche aufzeigt, wendet man sich nunmehr allerorts dem Sanieren existierender Städte zu.

 

Vorschläge zum Umbau der Stadt Paris

=============================

 

Allgemein:

 

2. Paris, nach wie vor Garküche Europas, leidet, wie allgemein bekannt ist, an einer Art Erstickungskrampf, die Metropole Frankreichs, die Schlagader Europas, der Schnittpunkt unterschiedlichster menschlicher Interessen und Impulse droht in seinem Fortbestand und Weiterentwicklung ernstlich behindert zu sein. Ebenso bekannt sind die Gründe hierfür: Ständige Bevölkerungszunahme, überalterte Wohn- und Geschäftsquartiere, die totale Verstopfung eines ehemals für Fußgänger und Pferd und Wagen bestimmtes Straßensystem, durch ständig stärker anschwellende Zahl der Kraftfahrzeuge. Die Stadtverwaltung von Paris bemüht sich, unter Anwendung der allgemein üblichen Methoden, Ordnung in dieses dschungelhafte Stadtgebilde zu schaffen: Abrisse ganzer Quartierteile und die Ersetzung dieser durch die Erstellung neuer Wohn- und Geschäftsbauten, Anlegen neuer Stadtautobahnen. Dies sind empfindlich tiefe Einschnitte in eine durch Jahrhunderte gewachsene Stadt, in differenzierteste, sich überlagernde Nervensysteme. Die Beseitigung der ehemals substanzbildenden Struktur also, und die Schaffung eines Paris wesensfremden Nivellements. Die mit der Wiederherstellung gesunder Lebensbedingungen verbundenen Auswirkungen sind einer Kontrolle zu unterwerfen. Das eigentliche Problem ist, wie kann die Paris im eigentlichen Sinne des Wortes ausmachende Substanz, das spezifische Milieu,  d a s  Fluidum,, durch sinnvolle Erhaltung und eine dementsprechende Substanzbildung, die die Vitalität und die Bedeutung des Kulminationspunktes nicht beeinträchtigt, sondern eher fördert, gesteuert werden.

 

3. Radikallösungen, wie die von Le Corbusier 1924 konzipierte oder die nach dem zweiten Weltkrieg von einer größeren Gruppe französischer Architekten entwickelte, nämlich westlich von Paris eine völlig neue 2-Millionen-Stadt zu gründen, sind zu verwerfen, da diese Lösungen am eigentlichen Problem vorbeigehen. Denn es ist die wirkliche, die der Steuerung eines  o h n e h i n  im Gange befindlichen Prozesses von stufenweisem Ab- und Aufbau.

 

 

Sanierung Paris  (Continuation)

 

Preservation, revolution, Pursint

 

Erhaltung, Aufwertung und Fortsetzung bestehender Systeme:

 

I.) Fußgänger

     ============

 

Folgende Transportmittel sind ausschliesslich dem Fußgänger vorbehalten:

 

Untergrundbahn (Metro)

Vorortbahnen (eine Art S-Bahn)   S.N.C.F.

Eisenbahnen  S.N.C.F.

Autobus, im innerstädt. Linienverkehr.

Autobus, Überland und Vorortverbindungen.

Dampferlinien, Seine und Kanäle.

 

Flugzeuge

 

Allgemein:

Der Fußgänger betritt an irgendeinem Punkt eines der „Fließbänder", wird befördert, wechselt innerhalb oder unterhalb verschiedener Systeme und gelangt schließlich an das gewünschte Ziel. Der Ablauf, von Station zu Station klappt reibungslos, jedoch verlässt der Fußgänger die erreichte Station, setzen die Störungen ein. (Kreuzung Auto - Fußgänger)

 

Das Fußgängersystem aber reicht bis zur Wohnungstür, dort endet oder beginnt es! Denn die Zellenstruktur gehorcht eigenen Gesetzen, so wie ein Fußgängersystem, in dem der Mensch befördert wird oder auf der ihm zugeordneten Ebenen geht, ein in sich geschlossenes Ganzes darstellt. Stellt man sich Paris mit seinen vielen Metro-Stationen, Bahnhöfen usw. vor und weiterhin die konsequente „Vollendung" dieses Systems, so entsteht ein gigantisches „Röhrenbauwerk" vor unseren Augen. Nun gilt es, dem überkommenen Bereich des Fußgängers eine neue Funktionstätigkeit zu geben, dem Bürgersteig, dem Platz usw., also den Verbindungen zwischen bestehenden Systemen und Zellen.

 

I. Sanierung, Umbau alter Städte:

___________________________

 

Die Skizze stellt eine Situation dar, wie wir sie in allen Städten der Welt vorfinden: Das Netz von Straßen und Versorgungsleitungen, im Besitz der Allgemeinheit. Die Netze sind sichtbare Gesetzgebung. Die Art und der Verlauf der Netze unterlagen den jeweiligen lokalen Bedingungen, wie: Historie, Topographie (Tal, Berg, Fluß usw.)

Die Straßensysteme werden von Wohn- und Einzelhandelssystemen begrenzt. Waren ursprünglich reine Wohnsysteme geplant, so haben sich in den meisten Fällen nach und nach Läden angesiedelt. Auf der Ebene Straße haben wir den Parallel-Verlauf Fuhrwerk-Auto, Fußgänger, Läden.

Die Straßenebene ist der „Lebensraum" der Bevölkerung. Dieser Lebensraum erscheint in unterschiedlichsten Formen: Als „die Straße" einer Stadt (Ku-Damm, Broadway usw.), als Hauptstraße eines Stadtteils (Müllerstr., Schloßstr. usw.), als neutrale Wohnstraße. Die neutrale Wohnstraße enthält alle zum Leben notwendigen Einrichtungen. Kulminationspunkte tauchen auf und verschwinden wieder, alles ist trotz des starren Prinzips in Bewegung. Die Straße ist externer Kommunikationsraum, die Hofzone interner Kommunikationsraum. Das Bild der Straße ist entsprechend dem Gesetz geordnet, das der Hofzone chaotisch. Die Starre des gleichförmigen Rasters bleibt unsichtbar, weil die ständig in Bewegung befindliche Veränderung sichtbar dominiert. Eine „Mietskaserne" gleicht der anderen, alle sind nach dem gleichen Prinzip gebaut, und doch sind aufgrund ihrer inneren Vorgänge alle höchst unterschiedlicher Gestalt.

 

 

I. Sanierung, Umbau alter Städte

___________________________

 

Beobachtungen zeigen, daß das Milieu einer Straße oft im krassen Gegensatz zur nächsten Straße ist. Die Milieubildung ist von zufälligen Erscheinungen abhängig, sie ist ebenfalls ständiger Veränderung unterworfen.

Die alten Quartiere sind, wie wir sie heute erleben, Anhäufungen und Ansammlungen von Kapital und geschichtlichen Überlagerungen, sie enthalten Einwandfreies und Fehlerhaftes, Schönes und Hässliches, Geordnetes und Chaotisches zugleich. Sie sind ein dichtes Netzwerk, ein kompliziertes Nervensystem menschlicher Beziehungen und technischer Vorgänge. Eines lebt durch das andere, es gibt keine isolierten Institutionen.

 

Die durch vier Straßen begrenzten „Blöcke" sind im Grunde miteinander „verschweißte" Hüllen, oft im Inneren ihrer ursprünglichen Funktion enthoben, ehemalige Wohnungen wurden zu Büros usw., riesige Bauwerke mit Mauern, Türen, Fenstern, Decken und Dächern. Solange sie nicht einstürzen, dienen sie immer irgendeinem Zweck. Unabhängig von ihrer inneren Gliederung und ihrer äußeren Gestalt. Sie sind Instrumente, Geräte, die man sich dienstbar und gefügig macht. Als Bauten an sich sind sie bedeutungslos, erst als Bindeglied im Kollektiv werden sie wirksam. Straßensysteme existieren so lange es Städte gibt. Ihre Form hat sich nie geändert, sondern nur die Art der Benutzung.

 

Städte sind nichts anderes als die Summe vieler Systeme oder eine dichte Bündelung sich überlagernder Netzstrukturen. Sie alle dienen dem Menschen. Die Stadt als Gesamtheit ist ein Haus, ein Labyrinth mit Kanälen, Bergen usw.. Mikro kehrt wieder im Makro und umgekehrt.

 

 

 

Sanierung, Umbau alter Städte:

 

Regelmäßige Netze, der simultane Verlauf unterschiedlichster „Systeme" werden von „Widerständen" unterbrochen. Im Gegensatz zum anonymen Netz ist das Moment „Widerstand" an die individuelle Auswirkung gebunden. (Architekt, Künstler) Das hier gezeigte Beispiel ist ein besonders deutliches. Es gibt auch unsichtbare, aber eben so wirkungsvolle „Widerstände". So kann ein Ladengeschäft, ein Restaurant u.ä. als spezieller Anziehungspunkt innerhalb des anonymen Netz-Systemverlaufs für eine Dauer von Zeit Kulminationspunkt sein, sich im positiven Sinne hemmend auswirken. Der Unterschied zwischen sichtbaren und unsichtbaren „Widerständen" besteht in erster Linie darin, die sichtbaren (wie oben dargestellt) sind im Sinne eines „Monuments" unverrückbar fixiert, die unsichtbaren unterliegen dem Moment der „Fluktuation".

 

Das europ. Rückgrat. (In versch. Vorträgen benutzt)

 

1. Geographisch zentrale Lage Deutschlands innerhalb Europas.

 

2. Geschichte Deutschlands, Vielstaaterei, Bismarck's Annullierung der Königs-  Fürsten- und Herzogtümer (?). Beweise: Heutige Kulturzentren usw..

 

3. Alte Handelsstraßen: Paris-Köln-Berlin (Potsdam) -Warschau-Moskau. Ost-West.

                                   (Rom) Basel-Köln-Holland-London. Nord-Süd

                                    K Ö L N   (Kleinnetze: Duderstadt etc.)

 

4. (Bakema's Theorie) Dreieck: Antwerpen-Köln-Amsterdam? Einwohnerzahlen etc.

 

5. Zu 1. Fusionsgebiete: Sprache, Milieus, Essen, Wohnen, Architekturstile und

                     Nutzungsarten

 

6. Zu 1. Deutsche Küstengebiete im Vergleich zu Küstengebieten anderer

          Europäischer Länder. Ziemlich unberührt von geschichtl. Bedingungen.

          Naturdiktat.

 

7. Unabhängigkeit kleinerer Nachbarstaaten, z. Bspl. Polen etc. (Wegen dem Fehlen der Notwendigkeit der Durchreise, z.Bspl.) Eine Reise von Prag nach Paris führte zwangsläufig über Berlin) Beispiele: Pol. Unabhängigkeitskämpfe und ähnlicher Unsinn.

 

8. Farbkultur und graph. Symbole in der Öffentlichkeit in versch. Staaten.  Braune Erde und Stierkampfplakate in Spanien, Tankstellen in Belgien, vorherrschende Farben in angrenzenden Ländern..

 

9. Europ. Ablagerungen in USA, z. Bspl. New York.

 

10. Hugo Häring's Theorien?

11. Über deutsche Provinzen heute. Ähnlich wie angrenze Staaten.!

12. Über Mitteldeutschland. Hannover-Braunschweig-Magdeburg.

13. Einfluß klimatischer Bedingungen auf ihre Bewohner und die Folgen.

14. Technik, z. Bspl. Klimatisierung, und d. Einfluß auf Bewohner etc.

15. Weltnetz: Telefon, Fluglinien, Eisenbahnen, Fernschreiben, Schiffahrts-     linien etc. um die ganze Welt. Man ist immer unter Dach und Fach, trockenfüßig, künstlich. Ein Neues „Gebäude", Ende nationaler Traditionen usw. Empire Englands: Neue Macht per Sprache: Empire.

16. Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft ohne Sentimentalität.