Der Stuhl B1 und der Tisch M1 (1979)

Der Stuhl:

Die asymmetrische Ausbildung der Sitzfläche und der Rückenlehne ergab sich aus der Absicht, ein Sitzgerät für mehrfache Sitznutzungen zu entwickeln.

 

Der Tisch:

Der Tisch als Mittelpunkt einer Wohnung, einer Familie, bietet mit der „fächerartigen" Platte eine Möglichkeit des behaglichen Zusammenseins kleinerer oder größerer Gruppen, max. 7-8 Personen. Unterbau und Kasten können alle notwendigsten Gegenstände wie Geschirr, Gläser, Flaschen, Servietten, Kerzen, Karten etc. aufnehmen, außerdem können zusätzlich kleine technische Geräte wie bewegliche Tischleuchte, Kerzenhalter und Wärmeplatte am Kastenende angebracht werden. Der Tisch kann ebenso als Doppelarbeitstisch oder kleiner Konferenztisch genutzt werden.

 

Seit es vom Hochbau gelöste Einzelmöbel gibt, vom steinernen Thronsessel bis zu heutigen modernen Sitzmöbeln, war der Hauptzweck ausschließlich symbolischer oder dekorativer Natur, die Nutzung erst in zweiter Linie wichtig. Daher läßt sich vielleicht auch die in allen Jahrhunderten bis heute angewendete Symmetrie von Möbeln und insbesondere die starre Axialität im Sitzmöbel erklären. („Eindimensionale Nutzung".) Bauen aller Art muß alltägliche menschliche Prozesse auf denkbar beste Art und Weise ermöglichen. Die Übernahme von Restbeständen historischer Architektur wird sich stets als Hemmschuh erweisen. Die erste die Architekturauffassung entscheidend verändernde Idee entstand in einigen Landhäusern von Frank Lloyd Wright: er war der erste, der HAUSBAU, das INEINANDERPASSEN von Hochbau und Innenausbau, die Einbindung und Verzahnung von Bauwerk und Landschaft als einen „Gesamtorganismus" gesehen hat. Wright hat sehr klar die Unterscheidung von Räumen, die sich nach innen wenden (Geborgenheit), und solchen, die sich nach außen öffnend mit der Natur verbinden, angeordnet. Eine Auffassung, die erst viel später sehr viel totaler von Häring und Scharoun konsequent weiterentwickelt und realisiert worden ist. Die eigentlich als selbstverständlich anzusehende Einheit von Innenausbau und Hochbau existiert im heutigen Massenwohnungsbau nicht. Aus diesem Grunde sind die ersten von mir entwickelten Möbel für Tecta grundsätzlich so gebaut, daß sie in jede gegebene anonyme Wohnungssituation eingepaßt werden können; ALS OB ES SICH HIERBEI UM EINGEBAUTE MÖBEL HANDELT! Alle Möbel sind nicht am Reißbrett entstanden, sondern direkt in der Werkstatt bei TECTA. Diese Art des Entwickelns im direkten Kontakt zwischen Unternehmer - Handwerker - Designer ist insgesamt unmittelbarer und effektiver. Wilhelm und Axel Bruchhäuser danke ich für enthusiastische Unterstützung und die gute Zusammenarbeit.

(Auszug aus einem Interview mit Harpers Gran Bazaar, Mailand)